ÜBER MICH

Sabrina Görlitz

Ich bin die Entwicklerin und Namensgeberin der Palligrafie – eine besondere Form der Biografiearbeit am Lebensende und eine narrative Adaption der Würde-Therapie nach Chochinov. Ich habe sie um Bausteine aus dem klassischen Storytelling erweitert, um Lebenskreise behutsam zu schließen und auf diese Weise das Kohärenzgefühl palliativ erkrankter Menschen zu stärken. 

Nicht immer können wir „selbstbestimmt“ sterben – aber vielleicht selbstwirksam und in Übereinstimmung mit uns selbst. Das Erzählen, Reflektieren und Festhalten der eigenen Lebensgeschichte im Angesicht des nahenden Todes kann dabei ein entscheidender Faktor sein.

Darüber hinaus gibt die Palligrafie den teilnehmenden Menschen die Möglichkeit, ein Generativitätsdokument für ihre Familie oder Freund*innen zu hinterlassen.

Meine Geschichte

Ich wurde im Herzen von Schleswig-Holstein geboren, und bis heute bin ich am liebsten da, wo das Meer nicht weit ist. Nach meinem Journalismus und Medienkommunikations-Studium in Hamburg zog ich für ein paar Jahre in meine Herzensheimat Dublin, wo ich als Projektkoordinatorin für die Irische Krebs Gesellschaft tätig war. Irland ist das Land der Storyteller – und auch ich liebe Geschichten, vor allem die, die das Sterben schreibt. 

Sterben und Tod haben mich von klein auf an gleichermaßen geängstigt und fasziniert. Rückblickend hätte ich mir so etwas wie „Sterbekunde“ als Schulfach gewünscht, in jedem Fall einen offeneren Umgang mit unserer Vergänglichkeit. Ich hätte gern einen Mentor oder eine Mentorin gehabt, die mir in diesen Themen zur Seite steht, doch in unserer westlichen Kultur sind solche Menschen nur schwer zu finden.

Als ich Mutter wurde, war mir klar, dass ich nun selbst in der Verantwortung stehe, dieser Mensch für mein Kind zu sein. Ich wollte meinem Sohn nicht nur bestmöglich auf das Leben vorbereiten, sondern auch auf das Sterben. Ich habe mich gefragt: Was kann ich jetzt, am Anfang seines Lebens tun, um ihn auf das Ende vorzubereiten?

Um diese Frage beantworten zu können, bin ich seit 2019 als „Palligrafin“ in Hamburger Kliniken und Hospizen unterwegs, um am Sterbebett mehr über das Loslassen, das Festhalten, das Hierbleiben wollen und das Gehen können zu erfahren. Gemeinsam mit sterbenden Menschen schreibe ich Ihre Geschichten auf – ich lasse mir von ihnen erzählen, was im Angesicht des nahenden Todes wichtig für sie ist, woran sie glauben, worauf sie hoffen, und was von ihnen bleiben soll. Wir staunen gemeinsam über das Wunder des Sterbens und versuchen Worte dafür zu finden. Meistens hilft das uns beiden, ein bisschen weniger Angst davor zu haben, und dafür ein bisschen neugieriger zu sein auf das, was kommt.

Und wer wissen will, welche Antworten ich für meinen Sohn gefunden habe, und nicht nur für ihn – dann könnt ihr mein Buch lesen, oder es euch von mir bei audible vorlesen lassen.